AutoDer Autor und seine Meinung zum Stück

Foto: Allan Gilmore
Edward Albee wird 1928 in Washington D.C. geboren. Als Adoptivkind
eines Theaterkettenbesitzers kommt er früh in Kontakt mit dem Theater,
er ist fasziniert davon. Sein Vater unterstützt diese Neigung. Mit
zwölf schreibt er sein erstes Bühnenstück. Nach seiner
Volljährigkeit hält er sich einige Jahre lang mit verschiedenen
Jobs über Wasser. Albee wäre gern Komponist geworden, schreibt
statt dessen Gedichte. Einige davon legt er Thornton Wilder vor: "Er
sagte mir, ich solle Stücke schreiben. Vielleicht meinte er auch
nur, ich sollte mit den Gedichten aufhören."
Es entsteht der Einakter "Die Zoo-Geschichte". Einige New Yorker
Theaterproduzenten, denen Albee seinen Erstling anbietet, lehnen ab. Also
schickt er es an theaterbesessene Freunde im In- und Ausland; so kam es,
daß die Uraufführung in deutscher Sprache am Berliner Schiller-Theater
stattfand. Über diesen Umweg entdeckten die New Yorker Theaterkritiker
1960 den "wichtigsten amerikanischen Autor der Theatersaison".
Nach mehreren Einaktern entsteht 1962 das erste abendfüllende Stück,
und wohl auch eines seiner bekanntesten: "Wer hat Angst vor Virginia
Woolf. Es folgen u.a. "Die Ballade vom traurigen Café",
"Winzige Alice", "Empfindliches Gleichgewicht" und,
im Jahre 1967 schließlich, "Alles im Garten".
Der Autor über das Stück
Ist es wirklich nötig, dass ich eine Erklärung abgeben muss,
damit mein Stück ausserhalb der Vereinigten Staaten ganz verstanden
werden kann? Ist es möglich, dass die soziologisch-psychologische
Situation, der ich nachgespürt habe, nur für mein Land charakteristisch
ist? Wäre dies wahr, ich empfände eine gewisse tröstliche
Erleichterung - aber ich kann mich nicht dazu überreden, es zu glauben.
Gibt es in Westeuropa nicht auch jene grosse, anonyme Gesellschaftsschicht,
Mittelstand genannt, die in ihrer Schwerfälligkeit einen verderblichen
Glauben an falsch Werte entwickelt hat, deren gesellschaftliches Verhalten
durch den Weg des geringsten Widerstands bestimmt wird? Hat die westeuropäische
bourgeoise Gesellschaft nicht auch einen Hang zur Trägheit, Kurzsichtigkeit
und - auf lange Sicht - Selbstzerstörung?
Gibt es nicht auch in Westeuropa nur allzu viele Menschen, in deren Innenleben
sich zutiefst eine geistige und moralische Leere breitmacht? Gehen westeuropäische
Menschen immer vernünftig und verständig miteinander um? Gibt
es niemanden, der sein Leben auf der bequemen Oberfläche der Wirklichkeit
verbringt, von der Geburt bis zum Tod, ohne wirklich je gelebt zu haben?
Ist das furchtbare Problem, der Kompromiss-Lösungen, der Selbstgefälligkeit,
er inneren Leere, der geistigen Gehaltlosigkeit nur für mein Land
charakteristisch? Daran glaube ich keinen Augenblick.
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