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Samstag, 19. Mai 2012

 
 

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AutoDer Autor und seine Meinung zum Stück


Foto: Allan Gilmore


Edward Albee
wird 1928 in Washington D.C. geboren. Als Adoptivkind eines Theaterkettenbesitzers kommt er früh in Kontakt mit dem Theater, er ist fasziniert davon. Sein Vater unterstützt diese Neigung. Mit zwölf schreibt er sein erstes Bühnenstück. Nach seiner Volljährigkeit hält er sich einige Jahre lang mit verschiedenen Jobs über Wasser. Albee wäre gern Komponist geworden, schreibt statt dessen Gedichte. Einige davon legt er Thornton Wilder vor: "Er sagte mir, ich solle Stücke schreiben. Vielleicht meinte er auch nur, ich sollte mit den Gedichten aufhören."

Es entsteht der Einakter "Die Zoo-Geschichte". Einige New Yorker Theaterproduzenten, denen Albee seinen Erstling anbietet, lehnen ab. Also schickt er es an theaterbesessene Freunde im In- und Ausland; so kam es, daß die Uraufführung in deutscher Sprache am Berliner Schiller-Theater stattfand. Über diesen Umweg entdeckten die New Yorker Theaterkritiker 1960 den "wichtigsten amerikanischen Autor der Theatersaison".

Nach mehreren Einaktern entsteht 1962 das erste abendfüllende Stück, und wohl auch eines seiner bekanntesten: "Wer hat Angst vor Virginia Woolf. Es folgen u.a. "Die Ballade vom traurigen Café", "Winzige Alice", "Empfindliches Gleichgewicht" und, im Jahre 1967 schließlich, "Alles im Garten".


Der Autor über das Stück


Ist es wirklich nötig, dass ich eine Erklärung abgeben muss, damit mein Stück ausserhalb der Vereinigten Staaten ganz verstanden werden kann? Ist es möglich, dass die soziologisch-psychologische Situation, der ich nachgespürt habe, nur für mein Land charakteristisch ist? Wäre dies wahr, ich empfände eine gewisse tröstliche Erleichterung - aber ich kann mich nicht dazu überreden, es zu glauben.
Gibt es in Westeuropa nicht auch jene grosse, anonyme Gesellschaftsschicht, Mittelstand genannt, die in ihrer Schwerfälligkeit einen verderblichen Glauben an falsch Werte entwickelt hat, deren gesellschaftliches Verhalten durch den Weg des geringsten Widerstands bestimmt wird? Hat die westeuropäische bourgeoise Gesellschaft nicht auch einen Hang zur Trägheit, Kurzsichtigkeit und - auf lange Sicht - Selbstzerstörung?

Gibt es nicht auch in Westeuropa nur allzu viele Menschen, in deren Innenleben sich zutiefst eine geistige und moralische Leere breitmacht? Gehen westeuropäische Menschen immer vernünftig und verständig miteinander um? Gibt es niemanden, der sein Leben auf der bequemen Oberfläche der Wirklichkeit verbringt, von der Geburt bis zum Tod, ohne wirklich je gelebt zu haben?

Ist das furchtbare Problem, der Kompromiss-Lösungen, der Selbstgefälligkeit, er inneren Leere, der geistigen Gehaltlosigkeit nur für mein Land charakteristisch? Daran glaube ich keinen Augenblick.

 
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